Erfoud und die Sanddünen des Erg Chebbi

Kasbah Tizimi in Erfoud

Kasbah Tizimi in Erfoud

Heute geht die Fahrt nach Erfoud und zu den Sanddünen des Erg-Chebbi. Einzelne Sanddünen erreichen eine Höhe bis zu 100 Metern.

Nach einem schnellen Frühstück, dieses Mal auf der Außenterrasse, verlassen wir das laute Hotel in Fes. Die Abfahrt ist bereits kurz nach 8 Uhr. Wir haben eine lange Fahrt vor uns. Um nach Erfoud zu kommen, müssen wir den Mittleren Atlas mit mehr als 2000 Meter Höhe überqueren.

Ifrane – Wintersport in Marokko!

Zunächst aber geht die Fahrt nach Ifrane, einem anerkannten Wintersportort in Marokko. Es liegt nur ca. 60 km südlich von Marrakesch, hat aber einen ganz anderen Charakter. Die Franzosen haben hier Ferienhäuser mit Spitzgiebeldächern errichten lassen. Die reichen Marokkaner suchen hier Abkühlung im Hochsommer, und im Winter fahren sie hier Ski. Wir machen einen Fotostop, und ich bin froh, dass ich meine leichte Fleecejacke in Griffnähe habe. Hier oben auf gut 1600 Meter Höhe weht ein kühler Wind, zumal es noch recht früh am Vormittag ist.

Berberaffen und Mammut-Zeder

Wir verlassen den Ort recht schnell wieder und erreichen bald einen ausgedehnten Zedernwald. Dort gibt es eine der größten Zedern der Welt, fast 40 Meter ragt sie in die Höhe. Leider ist sie inzwischen WEB-9682eingegangen, so dass nur noch ein verdorrter Baum zu sehen ist, allerdings von gigantischem Ausmaß. Ein paar Meter weiter hält Mohammed für mich den Wagen an, da ich ein dringendes Bedürfnis verspüre. Derweil gehen Mohammed und Burkhard an einer anderen Stelle ein wenig in den dichten Wald hinein. Ich folge ihnen später. Und wir trauen unseren Augen nicht, eine kleine Berberaffen-Familie lässt sich blicken. Ein Jungtier klettert ganz in der Nähe einen Baum hoch. Mohammed wirft kleine Steine hoch, und das verspielte Äffchen versucht immer wieder den Stein zu fangen. Eine schöne Szene. Soviel Harmonie und Naturverbundenheit.

Aber wir müssen weiter. Die Fahrt führt vorbei an herrlich rot blühenden Mohnfeldern und blau und gelb blühenden Wiesen. Immer weiter schlängelt sich die Straße schließlich in das Hochgebirge des Mittleren Atlas. Die höchste Stelle unterwegs erreicht fast 2100 Meter. Danach beginnt die Hochebene, auf der schließlich Erfoud liegt. In der KasbahTizimi  wollen wir heute übernachten.

Sanddünen des Erg Chebbi

Zunächst fahren wir aber noch weiter zu den großen Sanddünen des Erg Chebbi in der Nähe von Merzouga. Da wir mit einem Geländewagen unterwegs sind, kann uns Mohammed über die Piste bis zu den großen Dünen fahren. Dort am Rande der Sandwüste gibt es inzwischen mehrere kleine Unterkünfte, in den man auch übernachten kann. An einer machen wir Halt, trinken den obligatorischen Minztee und warten darauf, dass die Sonne noch etwas mehr untergeht. Denn erst dann ist das Licht- und Schattenspiel so, dass die Konturen der Dünen sich vom weiten Sandmeer so abheben, dass man das mit der Kamera einfangen kann. Es ist ziemlich windig heute. Aber das sorgt für eine mystische Stimmung.

Von Mohammed erfahren wir, dass er hier zuhause ist. Seine Mutter und sein Bruder wohnen in Merzouga. Und auch seine Frau ist aus einem Nachbardorf. Er lebt heute mit seiner Familie, Frau und drei Kindern in Marrakesch, weil er dort bei der Reiseagentur beschäftigt ist. Mohammed wird später, wenn er uns am Hotel abgesetzt hat, dieselbe Strecke noch einmal fahren und bei seiner Mutter übernachten. Hätten wir das gewusst, wir hätten nicht den Vorschlag gemacht, die Dünen heute noch zu besichtigen. Wir hätten das auch morgen früh unternehmen können, dann hätte Mohammed mehr Zeit bei seiner Mutter verbringen können. So habe ich fast ein schlechtes Gewissen.

Gastfreundschaft pur

Aber so ist das in diesem Land, die Wünsche des Gastes oder des Kunden gehen absolut vor, die eigenen Interessen stehen zurück. Und das nicht nur, weil wir viel Geld in diesem Land lassen, nein, das gehört zur Kultur des Islam. In einem Buch habe ich gelesen, dass man bei einer Einladung in das Haus eines Moslems die Einrichtung nicht zu überschwenglich loben darf. Das könne dazu führen, dass dieser sich zur Abwendung von Neidgefühlen gezwungen sähe, dem Gast beispielsweise das schöne Teegeschirr zu schenken. Und ein Geschenk könne man als Gast unmöglich ausschlagen. Je länger ich in diesem Land verweile, desto mehr glaube ich diese Geschichten. Die Menschen hier sind unwahrscheinlich höflich und aufmerksam und immer danach bestrebt, dass der Gast sich wohlfühlen mag.

Ich verdränge also mein schlechtes Gewissen und erfreue mich an dem farbenfrohen Lichterspiel der untergehenden Sonne und der schönen Stimmung inmitten dieser großartigen Wüstenlandschaft. Noch bevor die Sonne ganz untergegangen ist machen wir uns auf den Rückweg zum Hotel. Für den nächsten Tag vereinbaren wir einen etwas späteren Abholtermin, damit Mohammed den Besuch zuhause genießen kann.

Übernachtung in der Kasbah Tizimi in Erfoud

Wir checken ein und erleben noch einen schönen Abend mit einem leckeren Essen und mehreren kühlen Bier im Innenhof am Pool der Kasbah. Über uns ein wunderschöner Sternenhimmel. Es ist ein angenehmes Hotel mit wenigen Touristen. Unser Zimmer liegt etwas abseits in einem kleinen Seitengebäude mit eigenem Innenhof und Springbrunnen. Schade, dass wir hier nur so wenig Zeit verbringen können.

Galerie Erfoud

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